
Prießnitzstraße und
Prießnitz um 1825, das
orangefarbene Rechteck
markiert die heutige Lage
des Stadtteilhauses
Schlußstein mit Baujahr
über der Eingangstür
Straßenansicht 1990
Seitenansicht 1990
Hofansicht 1990
Vereinsmitglieder beim
Innenausbau
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Geschichte der näheren Umgebung
Die Prießnitzstraße folgt dem Lauf des Prießnitzbaches
und
bildet die östliche Begrenzung des Kerngebietes der
Äußeren Neustadt. Die Straße entstand etwa im letzten
Drittel
des 18. Jahrhunderts, wurde aber zunächst kaum bebaut. Sie
wurde
damals "Am Prießnitz- oder Goldbach" genannt. Im
Jahr 1837
tauchte der Name Prießnitzgasse auf. Ihre heutige Bezeichnung
"Prießnitzstraße" erhielt die Straße
im Jahr 1860. Man kann davon ausgehen, daß die heutige Bebauung
der Prießnitzstraße in der
2. Hälfte des 19. Jahrhunderts entstanden ist.
Der Prießnitzbach, welcher der Straße ihren Namen gab,
wurde erstmals im 15. Jahrhundert urkundlich als "Presnicz"
erwähnt
und im 16. Jahrhundert als "Brießnitz" oder "Brießnicz"
bezeichnet. Diese Bezeichnung ist slawischen Ursprungs und bedeutet
soviel wie "Birkenbach". Um die Mitte des 18. Jahrhunderts
wurde dem mineralischen Prießnitzwasser heilkräftige
Wirkung zugeschrieben. An den Ufern entstanden Bäder; so 1764
das Linckesche Bad an der Prießnitzmündung (Bautzner
Straße 72-76), 1831 das spätere Prießnitzbad am
Rande der Dresdner Heide (Bischofswerdaer Straße 1) und schließlich
auch 1867 das
"Louisenbad" auf dem heutigen Grundstück des Stadtteilhauses
(Prießnitzstraße 18, damals noch Prießnitzstraße
36b).
Gebäudegeschichte Prießnitzstraße 18
Das heutige Grundstück Prießnitzstraße 18 gehörte
vermutlich
ehemals zum Nachbargrundstück Prießnitzstraße 20
dazu.
Im Jahr 1860 war ein gewisser Herr Oehmichen als Besitzer des Grundstückes
und Hauses Nr. 20 (damals Prießnitzstraße 36) im Dresdner
Adreßbuch eingetragen. Wie aus Grundbuchauszügen hervorgeht,
verkaufte er im Jahr 1865 das Grundstück
Prießnitzstraße 36 an einen Herrn Neumann, vererbte
aber
nach seinem Tod im Jahr 1866 seiner Frau das Grundstück 36b
(jetzt Prießnitzstraße 18). Möglicherweise fand
zu jener Zeit eine Grundstücksteilung statt.
Sicher ist, daß Oehmichens Witwe 1867 auf dem heutigen
Grundstück Prießnitzstraße 18 eine kleine Badeanstalt
für
Wannenbäder eröffnete, das sogenannte "Louisenbad",
welches sie bis 1872 führte. In den folgenden Jahren wurden
die Grundstücke auf der Prießnitzstraße mehrfach
umnummeriert, erst im Jahr 1894 bekam das "Louisenbad"
die bis heute beibehaltene Nummer 18.
Den Dresdner Adreßbüchern kann man entnehmen,
daß im Jahr 1889 ein Apotheker namens Albert Reinhardt das
Grundstück kaufte. Herr Reinhardt ließ 1895 auf dem
Grundstück die heutige Bebauung errichten, daß Bad
befand sich im Seitenflügel des Wohnhauses. Durch den
Hausbau erklären sich einige Grundstückszukäufe,
die in den Grundbuchauszügen vermerkt sind: in den Jahren 1889-1895
kaufte Herr Reinhardt verschiedene Teile der Nachbargrund-
stücke zu seinem Grundstück dazu.
Das Grundstück verblieb durch Vererbung bis 1993 in
Reinhardt'schem Besitz - mit wechselnden Pächtern und
Verwaltern. Das Bad wurde seit der Errichtung des Gebäudes
von verschiedenen Pächtern betrieben. Hin und wieder gab es
Phasen, wo der Badbetrieb ruhte, z.B. während der beiden
Weltkriege. Das "Louisenbad" wurde seit 1900 entsprechend
der Betreiber mehrfach umbenannt. So hieß es von
1929 bis 1944 "Dittmanns Kurbad". Der letzte Betreiber
hieß
Arthur Brettschneider, er muß das Bad in der Nachkriegszeit
übernommen haben. Vielen war das Bad zu DDR-Zeiten als "Brettschneiders
Kur- und Wannenbad" bekannt. Endgültig
eingestellt wurde der Badbetrieb laut Aussage eines ehemaligen Mieters
des Hauses gegen Ende der 60er Jahre.
Bezüglich eventueller baulicher Veränderungen am Gebäude
bis 1945 können keine klaren Aussagen getroffen werden, da
die gesamtem Bauakten bis 1945 im 2. Weltkrieg verbrannt sind.
Wie bereits erwähnt, befand sich das Gebäude bis 1993
im
Besitz von Reinhardts Erben, wurde aber zu DDR-Zeiten von
der Stadt Dresden verwaltet. Gegen Ende der 80er Jahre
verfiel das Gebäude so sehr, daß Sanierungsarbeiten dringend
erforderlich wurden. Im Jahr 1989 war der letzte Mieter
ausgezogen und das Haus stand leer, bis es 1993 von einem städtischen
Wohnungsunternehmen (STESAD) erworben wurde.
Das Stadtteilhaus
Im Erneuerungskonzept für das Sanierungsgebiet
"Äußere Neustadt Dresden" von 1991 wurde das
Grundstück
als Fläche für Gemeinbedarf ausgewiesen und im Jahr 1993
von der STESAD erworben - mit dem Ziel der Errichtung eines Stadtteilhauses.
Eine Bestandsaufnahme und die notwendigsten Sicherungsmaßnahmen
am Gebäude wurden Anfang 1995
durchgeführt. Vom 17. März bis 13. April 1995 wurden die
Neustädter Bewohner um Nutzungsvorschläge für das
Gebäude gebeten. Die Sanierungsplanung hatte zu diesem Zeitpunkt
noch nicht begonnen, die Neustädter Bewohner sollten durch
ihre Anregungen die Baugestaltung und Nutzung des Gebäudes
mitbestimmen. Im Anschluß daran wurde ein Nutzungskonzept
erarbeitet.
Im Herbst 1996 wurde ein Architekturbüro mit der Planung für
das Gebäude beauftragt und im Verlauf der Jahre 1997 und 1998
konnten die wesentlichsten Sanierungsarbeiten durchgeführt
werden. Dabei wurden Entrümpelung und Innenausbau
hauptsächlich in Eigenleistung von Vereinsmitgliedern und
potentiellen Nutzern ausgeführt. Der Trägerverein des
Gebäudes "Stadtteilhaus Dresden-Äußere Neustadt
e.V."
wurde im Januar 1997 gegründet.
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